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Sich der Aufgabe im Ganzen erinnern

Bis zum Abendrot
ist jeder Sonnenstrahl vergebens
wenn wir sehen was wir wollen


...sagt ein Gedicht von Michael Lehofer1 und erzählt neben vielem anderen von einem wesentlichen Element spirituellen Lernens. Nicht sehen, was wir wollen, sondern das sehen, was durch uns gesehen werden will und gesehen werden kann. Nicht einfach leben, was wir wollen, sondern das leben, was durch uns gelebt werden will und gelebt werden kann. Nicht nur tun, was uns gefällt, sondern hineinwachsen in ein Handeln, das uns, unserer Geschichte und unserer Gegenwart entspricht.
Die Arbeit mit spirituellen Kräften, so wie es Orixátraditionen anbieten, ist ein Weg, der an unsere Seele und ihre Aufgabe im Ganzen erinnert. Der mit kleinen, oft unspektakulären Schritten hineingeleiten kann, in das, was uns ausmacht, unser Geheimnis, unseren Ruf.

Vor kurzem habe ich in einer Tageszeitung etwa Treffendes gelesen: "Beweg dich auch, nicht nur deinen Avatar!" Um das geht es. Darum, dass wir die kleinen Schritte einfach und wirklich tun, nicht nur im Geiste. So nichtig oder so übermächtig, sie uns erscheinen mögen.

Und ich bitte um die Kraft der Caboclos, mit ihrem Schwung, ihrem Mut, ihrer Kraft, dass die Freude an den kleinen aber konkreten Handlungen im Leben noch weiter um sich greift und sich die Aufgaben, die aus dem Hintergrund den Sinn bergen, immer deutlicher und vielschichtiger zeigen können.
Sarava os Caboclos! Okê Caboclos!
Ya Habiba de Oxum Abalô, November 2011

1Lehofer, Michael; Was wir der Liebe schuldig sind; Drava Verlag, Klagenfurt/Celovec, 2007